Heute ist Weltbunkentag
Heute, Freunde, ist Weltbunkentag.
Zum besseren Verständnis sollte ich vielleicht zunächst erklären, was der Weltbunkentag überhaupt ist, denn, obwohl ein weltweiter Nicht-Feiertag, hat dieser spezielle Tag regional unterschiedliche Namen. Andererseits solltet Ihr vielleicht einfach mal raten, um was für einen Tag es sich handeln könnte, während ich hier die Erlebnisse des heutigen Tages niederschreibe…
Bunke #1
Es begab sich also zu einer Zeit Heute morgen – ich hatte mich gerade über die örtliche Weihnachtsmarktbaustelle zum Laden durchgekämpft – finde ich auf meinem Schreibtisch einen riesigen Klotz vor, der sich nach genauerer Betrachtung als ein altes Medion-Notebook herausstellte.
Mein Auftrag sollte es nun sein, dem Gerät eine neue Windows-Installation zu verpassen, da die aktuelle Installation von Viren verseucht war1. Ich machte mich also an die Installation und erfuhr später, dass der Kunde ein »Datensicherung« durchgeführt hatte um seine Viren Daten später wieder einspielen zu können. Danach hatte ich nicht mehr die rechte Lust, da noch weiterzumachen… So eine Bunke.
Bunke #2
Wenig später betritt ein Opa den Laden. Er hatte vor kurzem ein Notebook bei uns erworben, welches nun defekt sei. Er käme mit dem Gerät nicht mehr ins Internet. Stattdessen öffneten sich beim Klick auf den Firefox-Button immer ganz viele kleine Fenster.
Um das Ganze zu dokumentieren hatte er sogar einen Screenshot angefertigt. Mit einer Digitalkamera2.
Ein kurzer Blick offenbarte den »Hardwaredefekt«: Der gute Mann hatte, statt zu warten, bis sein System vollständig hochgefahren war3, wie ein Wilder auf dem Firefox-Button herumgehämmert. Schließlich sei da ja zunächst nichts passiert und wenn man öfter und energischer klickt beeilen sich Computer schließlich ein wenig.
Die vielen winzigen Fenster waren schlicht ca. 100 kleine rote Pandas, die sich unter den Schlägen des alten Herren auf Minimalgröße zusammengezogen hatten… So eine Bunke.
Bunke #3
Kurze Zeit später betritt einer meiner persönlichen Favoriten den Laden. Der Typ ist ein echter Umsatzgarant. Jeden Monat zerschießt der Kollege seine Windowsinstallation und weder er, noch seine Freunde sind in der Lage, so ein Windows neu zu installieren.
Heute war es dann wieder so weit. Allerdings hatte er keine Lust, uns für die Instandsetzung zu bezahlen – das hätte er ja vor kurzem erst getan. Ich sagte ihm also, er solle es dann selber versuchen und wünschte ihm ein aktuelles Backup. Daraufhin gestand er, kein Backup angefertigt zu haben, da er davon ausging, dass so kurz nach einer Reparatur sein MS-Betriebssystem nicht schon wieder kaputtgehen könnte… So eine Bunke.
Bunke #4
Das Telefon klingelt. Ein Mann ist dran und erzählt mir, dass er in den nächsten zwei Wochen dringend eine PowerPoint-Präsentation erstellen müsse. Er hätte da aber keine Zeit für und wolle uns daher damit beauftragen. Ich erkläre ihm freundlich, dass wir ein Laden wären, in dem wir Notebooks verkaufen und keine PowerPoint-Präsentationen erstellen.
Vermutlich habe ich bei dieser Aussage zu gutgelaunt geklungen, denn plötzlich fängt der Vogel an, mich wüst zu beschimpfen – und kappt dann mitten im Satz die Verbindung… So eine Bunke.
Bunke #5
Wieder betritt jemand den Laden. Ein junger Typ, Anfang bis Mitte Zwanzig. Er wolle ein Notebook kaufen, höre ich aus seinem hingeworfenen Satz heraus. »Mach Ihr mit Vertrag odda mit Finnasiehrung?«, schleudert er mir entgegen und ich bin erstmal irritiert. »Weder, noch. Bei uns kauft man die Notebooks bar oder mit EC-Karte.«, sage ich schließlich und beim Wort »EC-Karte« leuchten seine Augen.
»Machsu mit Ähßäh-Kahte! Nehm ich eins!« Alles klar. Ihm scheint völlig egal zu sein, welches Notebook es wird. Ich suche ihm also eins aus und er wirft mir einen türkischen Pass und eine EC-Karte zu. Laut seinem Pass heißt er mit Nachnamen tatsächlich »Döner« und sein Foto sieht ihm nicht im Geringsten ähnlich. Egal. Auf dem Bild hat er keinen Bart, aber was weiß ich, wie er unter seinem Bart aussieht. Wenn er die PIN von der EC-Karte weiß, die auf den selben Namen ausgestellt ist, soll es mir Recht sein4.
Als ich Ihm sage, dass er die PIN eingeben solle, wird er blaß. Die PIN wüsste er nicht. Er habe so viele Karten, da könne er sich nicht jede PIN merken. Ich lasse ihn zwei PINs ausprobieren. Die Chance, dass er zufällig die richtige erwischt ist ja nicht besonders hoch und ich kann ihn ein wenig leiden und zappeln sehen. Ich erzähle ihm nach der ersten falschen Eingabe noch, dass bei der dritten falschen Eingabe die Polizei alarmiert wird, weil in der Gegend in letzter Zeit so viele Leute mit geklauten EC-Karten unterwegs sind.
Nach der zweiten Falscheingabe verlässt er fluchtartig den Laden… So eine Bunke!
Des Rätsels Lösung
An dieser Stelle sollte wohl jedem klar sein, was eine Bunke ist. Richtig. Ein Vollidiot. Und heute ist Weltbunkentag – der Tag an dem die Idioten in Rudeln durch die Straßen ziehen und ihre Dummheit zelebrieren.
Und morgen – morgen ist schon wieder Weltbunkentag und ich bin wieder mittendrin, ich Bunke…
- Und die hatte sich der Besitzer des Geräts natürlich beim Surfen auf
Pornoseitenden Seiten des Kinderkanals eingefangen… [↩] - Ohne Scheiß [↩]
- Sein Sohn hatte das Ding in der Mangel und hat ihm ca. 1000 Programme installiert, die unbedingt beim Autostart dabei sein müssen… [↩]
- Was passieren würde, wusste ich schon vorher. Schließlich passiert das jede Woche mindestens ein Mal… [↩]





Schon 2 Kommentare
1.
Rico schrieb am 03. Dezember 2008 um 10:47
Die Welt besteht größtenteils nur noch aus Bunken, die früher so verpönten “Normalos” sind mittlerweile schon Elite.
2.
Sven schrieb am 17. Dezember 2008 um 18:53
Hi,
gefällt mir der Artikel, erinnert mich irgendwie an mein drei Monate langes Praktikum bei Saturn. Als Verkäufer hat man ab und an doch mal jede menge Spaß. Natürlich will ich nicht wissen, wie viele Verkäufer mich wohl schon als “Bunke” eingestuft haben, weil ich die ein oder andere Blöde frage aus Unwissenheit gestellt hatte.
viele grüße
sven