Schlagende Argumente

Das Wichtigste beim Diskutieren sind bekanntlich die Argumente. Und weil das so ist, lasse ich mich eigentlich nur dann auf Diskussionen ein, wenn mir ausreichend stichhaltige Argumente zur Verfügung stehen. Ich bin einfach nicht der Typ, der sinnlos und nur der Diskussion wegen stundenlang zu Quatschen bereit ist, wenn von vornherein feststeht, dass das Ganze sowieso zu nichts führt. Wenn ich von einem Thema (ausnahmsweise ;-) ) mal keine Ahnung haben sollte, dann halte ich es mit Dieter Nuhr: ich halte einfach mal die Fresse. Das klingt logisch. Das macht Sinn.

Manche mögen’s heiss anders

Ganz anders sind da einige unserer Kunden. Erst kaufen sie sich im Laden ein Notebook, um dann urplötzlich am nächsten Tag von einem bis dato unbekannten Onkel aus Paraguay eben dieses Modell zu erben. Und da der Onkel aus Paraguay selbstverständlich tot ist (sonst hätte man ja nichts geerbt) kann man eben diesem Onkel das Notebook auch nicht zurückschicken. Also müssen wir das Notebook jetzt zurücknehmen und den Kaufpreis auf der Stelle in Bar erstatten. Das wäre ja schließlich gesetzlich so geregelt1.

Ich spiel mal mit. All in.

Das sind Diskussionen, die spiele ich gern mit. Da weiß ich von vornherein, dass ich gewinne. Ich bremse diese (meist fürchterlich »verärgerten«) Menschen abrupt, in dem ich sie erstmal vor eine Wand laufen lasse.


Kunde: »Ich will das Notebook zurückgeben und mein Geld zurück.«
Ich: »Ebay.«
Kunde: »Was?«
Ich: »Wenn Sie ihr Notebook verkaufen wollen, setzen Sie’s bei Ebay rein.«
Kunde: »Ich will es nicht verkaufen. Ich will es zurückgeben. Ich hab’s hier gekauft und will, dass Sie es zurücknehmen und mir mein Geld geben.«
Ich: »Ist es denn kaputt? Was funktioniert denn nicht?«
Kunde: »Ich will es nicht mehr haben.«
Ich: »Ebay.«
Kunde: »Sie sind verpflichtet, es zurückzunehmen. Ich habe 14 Tage Rückgaberecht.«
Ich: »Sagt wer?«
Kunde: »Das Gesetz. Und wenn sie es nicht zurücknehmen, dann hören Sie von meinem Anwalt!«
Ich: »Dem können Sie nen schönen Gruß von mir bestellen. Der findet das sicher auch so lustig, wie ich. Die 14 Tage, die Sie meinen, haben was mit dem Fernabsatzgesetz zu tun. Wenn Sie aber hier im Laden auf der anderen Seite der Theke stehen, dann ist das noch nicht “Fern” genug, damit das hier Anwendung finden könnte.«
Kunde (Hat mittlerweile Halsschlagadern wie Gartenschläuche): Schweigt, grübelt und kocht vor Wut.

Alternatives Ende

Jetzt ist der Moment gekommen. Ab hier sind mehrere Fortgänge in der Handlung möglich. In den meisten Fällen rauschen die Kunden wie die wild davon und brabbeln etwas von »Anwalt« und »verklagen« und melden sich nie wieder.


Diese Fälle sind langweilig. Manchmal gibt es aber dann auch wieder Situationen, die ein gewisses Kribbeln verursachen. Wenn zum Beispiel der Kunde versucht, sein vermeintliches Recht mit Gewalt durchzusetzen und erst hinter dem Tresen erkennt, dass er in der Unterzahl ist, oder wenn – wie heute – der Kunde mit eisiger Stimme und osteuropäischem Akzent darauf hinweist, dass ihm auch noch »andere Mittel und Wege« zur Verfügung stünden.


Da überlegt man dann erstmal eine halbe Stunde, ob man die vermeintlich gewonnene Diskussion nicht irgendwie doch verloren hat. Wir werden es ja sehen…

  1. Vielleicht in Paraguay, Freunde! Hier in D sieht die Sache leider etwas anders aus []