Tach, Kundschaft! – Teil 4: AWACS
Bevor ich mit meinem eigentlichen Gejammer beginne, möchte ich doch nochmals darauf hinweisen, dass ich mir den ganzen Quatsch hier nicht ausdenke. So seltsam das auch klingen mag – es passiert mir tatsächlich. Wirklich. Ehrlich. Kein Sch….
Hände und Füße
Es ist 10.01h. Ein Mann betritt den Laden. Er hält direkt auf die Zubehörvitrine zu und würdigt mich keines Blickes. Als er sich die Nase an der Vitrine plattdrückt, frage ich, ob ich ihm helfen können. Er reagiert nicht. Ich gehe um die Theke herum, während er versucht, die Tür des Glasschranks zu öffnen. Ich tippe ihm auf die Schulter und er gibt im Umdrehen seltsame Laute von sich.
Jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen: der Mann ist taubstumm. Das folgende »Gespräch« muss für einen Außenstehenden wie der Tanz zweier Bewegungslegastheniker ausgesehen haben – und nach ca. 15 Minuten finde ich heraus, dass der Mann von den Lippen lesen kann. Allerdings nur Französisch… Ich geh’ kaputt.
Nur Ankauf…
So gegen 11 betritt ein junger Bursche den Laden: »Ihr kauft Notebooks nur an, das ist doch richtig?«
Mir fällt alles aus dem Gesicht und ich bin sprachlos – schon wieder. »Klar. Wir haben extra nen Laden angemietet, weil wir Notebooks kaufen wollen und für Ebay zu blöd sind. Und die Preise, die an den Notebooks im Schaufenster stehen, sind die Preise, die wir für dieses Modell zu zahlen bereit sind, DU VOLLIDIOT!«, wollte ich sagen. Da es aber noch früh am Tag ist, kann ich mich noch beherrschen…
Notebookvertrag?
Viertel nach Zwölf. Ein junges Mädel mit den typischen, durchfallbraunen Stiefeln, in denen Bochumerinnen offensichtlich geboren kommt durch die Eingangstür gestöckelt.
Sie: »Ich hab’ da mal Frage… … … Notebookvertrag.«
Ich: »Das ist keine Frage. Das ist nichtmal ein vollständiger Satz1.«
Sie starrt mich völlig irritiert an. Also sage ich: »Der einzige Vertrag, den man hier abschließen kann, das ist ein Kaufvertrag.«
Sie: »Wassn Kauffatrahk?«
Ich: »Ich geb’ Dir ein Notebook und eine Rechnung und Du gibst mir Geld.«
Sie: »Oh.« Dreht sich um und geht.
Telefon. Service? Geld? Humbug!
Halb zwei. Das Telefon klingelt. Chef geht ans Telefon.
Anrufer: »Hallo. Ich habe hier ein Problem mit meinem Notebook. Können Sie mir da mal kurz helfen?«
Chef: »Haben Sie das Notebook bei uns gekauft?«
Anrufer: »Nein. Das habe ich beim [insert_Discounter_here] gekauft.«
Chef: »Dann können wir Ihnen am Telefon auch nicht helfen. Sie können gerne mit dem Notebook in unseren Laden kommen und dann helfen wir Ihnen und rechnen das dann nach Zeit ab. Eine Minute kostet einen Euro.«
Anrufer: »Das ist ja ne Unverschämtheit!« Legt auf.
Die generelle Funktion
So gegen 16h rauscht eine Omi in den Laden und verlangt von mir, ich solle ihr doch mal die generelle Funktionsweise von Computern erklären. Ich bitte sie, doch schon mal Platz zu nehmen und für die folgende sechstägige Schulung die Anzahlung bar auf den Tisch zu legen. Keine Ahnung, warum die direkt wieder gegangen ist…?!?!
Laserverstrahlung
17.30h. Ich bin der Meinung, ich habe es fast geschafft. Was jetzt kommt, ist aber das dicke Ende. Im wahrsten Sinne des Wortes – denn ein kleiner, dicker Mann taucht wie aus dem Nichts laut schnaufend vor der Theke auf. Kritisch beäugt er ein 14-Zoll-Notebook von IBM und stellt fest, dass er das Ding nicht in der Jackentasche mit sich herumtragen könnte…
Er: »Ich muss das immer mitnehmen. Ich muss nämlich ständig ins Krankenhaus. Ich hab nen Bauchinfarkt. Der ist absolut tödlich, wenn man da nicht schnell genug ist. Kennse das? Da verstopft da so ne Arterie und da kriegt man zuerst immer so ein Stechen. Wie tausend Nadeln. Da so in der Falte. Wie heißt das noch? Da. Im Schritt. Im Gemächt…«
Ich:2 »Sorry. Aber ich bin kein Arzt und war noch nie krank. Ich kenne mich da nicht aus.«
Er:3 »Dann will ich Ihnen mal was erzählen, was sicher auch für Sie interessant ist. Also ich bin ja eigentlich ein original gelernter KFZ-Mechaniker. Das sind ja quasi vier Berufe in einem. Also da macht man auch viel mit Elektronik, wenn man das technische Verständnis hat. Ich hab ja dann später… Also ich hatte ja viele Berufe. Auch gefährliche. Ich war auch Geheimagent4. Und deswegen weiß ich auch viele Dinge, von denen sonst keiner was weiß. Zum Beispiel über das organisierte Verbrechen. Und über die Elektronik. Und deshalb ist das ja auch was für Sie. Also in Deutschland, da ist das organisierte Verbrechen… Also die haben AWACS-Flugzeuge und damit fliegen die über die Bundesrepublik. Und die haben ja technische Möglichkeiten, die hat ja sonst keiner. Also zum Beispiel den akustischen Störlaser. Damit schießen die von oben in die Wohnungen und verursachen akustische Rückkopplungen in den Fernsehern und in der Stereoanlage. Und je nachdem, wie laut Sie das gestellt haben, kann Sie das schon mal vom Stuhl hauen. Ich hab das aufgenommen und hab das jetzt auf CD. Da dachte ich, die könnte ich Ihnen bei Gelegenheit mal vorbeibringen, da können Sie…«
Ich: »Sorry. Aber an solchen Gesprächen habe ich ehrlich gesagt nicht das geringste Interesse und Zeit habe ich dafür beim besten Willen nicht. Es wäre schön, wenn Sie jetzt den Laden verlassen könnten…«
Und der Typ geht tatsächlich. Und ich gehe auch. Vor die Tür. Eine Rauchen. Danach rufe ich meinen Chef an.
Ich: »Ich kündige.«
Chef: »Schon wieder? Ist schon wieder Freitagabend? Hör mal, wenn Du kündigen willst, musst Du vorher gearbeitet haben. Außerdem habe ich deinen Kündigungsblock versteckt. Schönes Wochenende. Bis Montag…«
- Beherrschung, adé! [↩]
- Ich bin total überfordert. Ich will mit dem Typen nicht über sein Gemächt sprechen. Ich will mit überhaupt keinem Typen über sein Gemächt sprechen. [↩]
- nimmt erstmal Platz an der Theke und ich kriege Panik. Während des jetzt folgenden Gesprächsabschnitts übermannt mich die pure Verzweiflung. [↩]
- Denkt bitte daran: Ich denke mir das NICHT aus! [↩]
Schlagende Argumente
Das Wichtigste beim Diskutieren sind bekanntlich die Argumente. Und weil das so ist, lasse ich mich eigentlich nur dann auf Diskussionen ein, wenn mir ausreichend stichhaltige Argumente zur Verfügung stehen. Ich bin einfach nicht der Typ, der sinnlos und nur der Diskussion wegen stundenlang zu Quatschen bereit ist, wenn von vornherein feststeht, dass das Ganze sowieso zu nichts führt. Wenn ich von einem Thema (ausnahmsweise
) mal keine Ahnung haben sollte, dann halte ich es mit Dieter Nuhr: ich halte einfach mal die Fresse. Das klingt logisch. Das macht Sinn.
Manche mögen’s heiss anders
Ganz anders sind da einige unserer Kunden. Erst kaufen sie sich im Laden ein Notebook, um dann urplötzlich am nächsten Tag von einem bis dato unbekannten Onkel aus Paraguay eben dieses Modell zu erben. Und da der Onkel aus Paraguay selbstverständlich tot ist (sonst hätte man ja nichts geerbt) kann man eben diesem Onkel das Notebook auch nicht zurückschicken. Also müssen wir das Notebook jetzt zurücknehmen und den Kaufpreis auf der Stelle in Bar erstatten. Das wäre ja schließlich gesetzlich so geregelt1.
Ich spiel mal mit. All in.
Das sind Diskussionen, die spiele ich gern mit. Da weiß ich von vornherein, dass ich gewinne. Ich bremse diese (meist fürchterlich »verärgerten«) Menschen abrupt, in dem ich sie erstmal vor eine Wand laufen lasse.
Kunde: »Ich will das Notebook zurückgeben und mein Geld zurück.«
Ich: »Ebay.«
Kunde: »Was?«
Ich: »Wenn Sie ihr Notebook verkaufen wollen, setzen Sie’s bei Ebay rein.«
Kunde: »Ich will es nicht verkaufen. Ich will es zurückgeben. Ich hab’s hier gekauft und will, dass Sie es zurücknehmen und mir mein Geld geben.«
Ich: »Ist es denn kaputt? Was funktioniert denn nicht?«
Kunde: »Ich will es nicht mehr haben.«
Ich: »Ebay.«
Kunde: »Sie sind verpflichtet, es zurückzunehmen. Ich habe 14 Tage Rückgaberecht.«
Ich: »Sagt wer?«
Kunde: »Das Gesetz. Und wenn sie es nicht zurücknehmen, dann hören Sie von meinem Anwalt!«
Ich: »Dem können Sie nen schönen Gruß von mir bestellen. Der findet das sicher auch so lustig, wie ich. Die 14 Tage, die Sie meinen, haben was mit dem Fernabsatzgesetz zu tun. Wenn Sie aber hier im Laden auf der anderen Seite der Theke stehen, dann ist das noch nicht “Fern” genug, damit das hier Anwendung finden könnte.«
Kunde (Hat mittlerweile Halsschlagadern wie Gartenschläuche): Schweigt, grübelt und kocht vor Wut.
Alternatives Ende
Jetzt ist der Moment gekommen. Ab hier sind mehrere Fortgänge in der Handlung möglich. In den meisten Fällen rauschen die Kunden wie die wild davon und brabbeln etwas von »Anwalt« und »verklagen« und melden sich nie wieder.
Diese Fälle sind langweilig. Manchmal gibt es aber dann auch wieder Situationen, die ein gewisses Kribbeln verursachen. Wenn zum Beispiel der Kunde versucht, sein vermeintliches Recht mit Gewalt durchzusetzen und erst hinter dem Tresen erkennt, dass er in der Unterzahl ist, oder wenn – wie heute – der Kunde mit eisiger Stimme und osteuropäischem Akzent darauf hinweist, dass ihm auch noch »andere Mittel und Wege« zur Verfügung stünden.
Da überlegt man dann erstmal eine halbe Stunde, ob man die vermeintlich gewonnene Diskussion nicht irgendwie doch verloren hat. Wir werden es ja sehen…
- Vielleicht in Paraguay, Freunde! Hier in D sieht die Sache leider etwas anders aus [↩]
Tach, Kundschaft! – Teil 3
Heute: Der Internet-Explorer zeigt mir die Seite nicht richtig an. Das müsst Ihr ändern!
Vorgeplänkel.
Jetzt baue ich ja doch schon recht lange Webseiten. Und weil ich nicht total ignorant bin, achte ich auf valides (x)HTML und solche Unwichtigkeiten. Natürlich überprüfe ich auch die Darstellung meiner Seiten in verschiedenen Browsern. Auf meinen Rechnern tummeln sich mehr Browser, als eigentlich gut für mich ist. Neben dem obligatorischen Firefox, Opera, Safari und dem Konqueror finden sich selbstverständlich auch verschiedenste Internet-Explorer. Ja. Richtig. Verschiedenste Internet Explorer1.
Es wird ernst.
Und jetzt kommt diese Kundin daher und beschwert sich, dass die aktuelle Version ihrer in Entwicklung befindlichen Website seit Tagen keine Änderungen aufweist. Genau wie bei dem letzten Mal. Und das, wo ich Ihr die Änderungen doch gezeigt habe, als sie uns das letzte Mal im Laden besucht habe. Was das wohl soll und was ich mir denn dabei wohl denke, will sie wissen.
Des Rätsels Lösung.
Ich erkläre ihr also mit der für mich so typischen Engelsgeduld, dass sie doch bitte mal den Browsercache leeren solle. Den was? Is klar. Also erklär’ ich auch noch was der Cache denn ist.
Wie sie den Cache denn leeren kann, will sie sich nicht erklären lassen. Das sollen wir doch besser machen, wenn sie das nächste Mal im Laden ist.
Oder doch nicht?
Gerade als ich glaube, es wäre alles überstanden und schon zur Verabschiedung ansetzen will, packt die gute Frau dann noch mal den Hammer aus: Sie möchte demnächst mit meinem Chef mal darüber sprechen, dass wir doch dieses Problem bald mal vollständig beheben. Ihre Kunden benutzten ja schliesslich auch den Internet Explorer – und da könne das ja nicht sein, dass ihre Seite da aus dem Cache geladen würde…2
Schmerzen. Böse Schmerzen.
Jetzt, wo ich dieses Ergebnis niederschreibe bin ich schlicht froh, dass ich Bartträger bin. Dann kann wenigstens niemand den riesigen Bluterguss sehen, der mein Kinn ziert, seitdem mir die Kinnlade so gewaltig auf den Schreibtisch geknallt ist.
Den restlichen Tag über war ich zu nichts zu gebrauchen. Ich habe schluchzend und zitternd in der hintersten Ecke des Ladens gesessen und zu Tux gebetet, er möge den Internet Exploder ausrotten. Vielleicht hilft’s.
Nur gucken – nicht anfassen.
Es begab sich zu einer Zeit Gestern Mittag. High noon in einer verschlafenen Stadt im mittleren Ruhrgebiet. Ein kleiner Junge zerrt seinen Vater in den Laden.»Schau mal! Das Notebook hier! Das ist aber Kacke!«
Ich sage mal nichts. Vater sagt auch nichts. Er schaut nur. Dann fängt er an, an dem Notebook herumzufingern. Soll er auch. Anfassen ist ja erlaubt. Wir haben nichts zu verbergen.
Ich entschließe mich, ihn zu fragen, ob ich helfen kann. Wie vom Pinguin gebissen packt er seinen Sohn am Kragen und zieht ihn aus dem Laden. Und das, ohne mich anzusehen, oder ein Wort zu sagen. »Komischer Typ«, denke ich und vergesse ihn auch schnell wieder.
Zigarettenpause
Als ich ein paar Minuten später vor die Tür gehe, um eine zu rauchen fällt mein Blick auf das Ausstellungsstück: Abgeschmiert. Nichts geht mehr. Nee. Is klar.
Zumindest weiß ich jetzt, warum der Typ es so eilig hatte. Wer’s kaputt macht, muss es kaufen, wenn er langsamer rennt als der Mensch im Laden…
Tach, Kundschaft! – Teil 2
Heute: Willkommen in den Weiten des Internet!
Bevor ich mit der heutigen Folge von Tach, Kundschaft! beginne, möchte ich noch darauf hinweisen, dass ich’s ja von vornherein gesagt habe: Das wird eine Serie. Es konnte einfach nicht anders sein. Das Leben ist manchmal wirklich fürchterlich berechenbar…
Ein jedes Klingeln verheißt Unheil
Das Telefon schrillt und entkonzentriert mich. Keine Nummer im Display. Mein Spinnenrsinn wittert Gefahr. Das kann nur ein Kunde sein. Ich will nicht. Ich hab hier zu arbeiten. Meine ToDo-Liste hat fast alle Einträge mittlerweile in rot markiert. So wird das nix. Woher wissen die immer, wann ich am produktivsten bin? Verfluchte Brut…
Und es kam schlimmer
Am Telefon ist eine Kundin. Sie will einen Onlineshop. Sie will im Internetz Kosmetik verkaufen. Super Idee. Ist ja mal was Neues. Macht ja sonst keiner. Egal.
Erstmal rausfinden, was sie wirklich will. Ich Idiot.
Sie will einen Shop. So viel ist klar. Wichtiger ist aber, was sie nicht will: sich outen. Sie will kein Impressum! Sie will nicht, dass jemand rausfindet, dass sie die Plörren1 online verramscht und ihren Kunden im Laden richtig Kohle dafür aus der Tasche zieht.
Es ist immer blöd, Kunden mit der harten Realität zu konfrontieren, aber manchmal muss das sein – für das eigene Seelenheil.
Sie kontert über den Preis
Nach einigem hin- und her kommt dann, was kommen muß. »Was kostet mich das denn?«, fragt sie und bereitet das Schachmatt vor.
Wie das bei Angeboten zu Websites nun mal so ist, schlagen wir ein Treffen vor, um den genauen Bedarf zu klären. Wie hoch ist der Aufwand für die Programmierung, die Datenübernahme und nicht zuletzt die Gestaltung.
Darauf hatte sie scheinbar nur gewartet. Gestaltung? Bei einer Website? Ist doch kein Aufwand! Wieso sollte das was kosten?
Sie bereitet den Final Move vor. »Die Gestaltung mache ich in einer halben Stunde!«
»Also. 500 Euro?«
Headshot!
»Dämliche Kuh! Komm’ erstmal wieder zu Dir! Merkst Du eigentlich noch irgendwas? Wenn man von etwas keine Ahnung hat, dann hält man vielleicht besser mal den Rand! Ich erzähl’ Dir doch auch nix über Kosmetik!«, möchte ich ins Telefon brüllen – aber stattdessen schlägt Chef nochmal ein Treffen vor, um die Modalitäten zu klären. Wie kann der Mann so ruhig bleiben?
Im nächsten Satz erklärt er ihr, er wäre möglicherweise nicht im Laden, wenn sie vorbeikommt – aber der Kollege könne das genausogut. Er grinst mich an. Ist Leck mich, Du Sack! eine brauchbare Formulierung für eine Kündigung?
As time goes by
Stunden später habe ich mich wieder gefangen. So schlimm wird’s nicht werden. Die letzten Kunden haben mir die Textvorlagen als Excel-Dokumente geschickt und behauptet Arial in Kombination mit Comic Sans ergäbe ein frisches Design und das wäre mal was anderes, was nicht jeder macht. Was soll also schon passieren? Reiß’ ich mich halt zusammen und bau eine Website mit magentafarbener Schrift auf türkisfarbenem Hintergrund. Ein paar animierte Gifs…
Geht auch schneller. Wenn man Qualität will, wird nie was fer
- Artikel, Teile, Gegenstände, Dinge [↩]
Falsch verstanden
Manchmal verstehe ich was falsch. Kunden verstehe ich irgendwie besonders häufig falsch. Den Sinn und Zweck eines Unternehmens habe ich offensichtlich trotz kaufmännischer Ausbildung völlig falsch verstanden. Auch den Unterschied zwischen Betriebssystemen und Anwendungen habe ich nicht wirklich kapiert. Vermute ich jetzt mal. Sicher bin ich mir natürlich nicht. Schließlich verkaufe ich erst seit zehn Jahren Computer und auch beschäftige ich mich erst seit zehn Jahren mit der Webentwicklung und solchem Kram. Ich bin also faktisch ein ahnungsloser Newbie…
Schön wenn mal Profis vorbeischauen…
Weil ich so unerfahren und ahnungslos bin, freue ich mich immer, wenn mich im Laden mal so ein paar richtige Profis besuchen und oder anrufen.
Das sind Menschen, die in ein EDV-Fachgeschäft gehen, um den Angestellten dort mal die Grenzen ihrer Kompetenz aufzuzeigen. Diese Menschen verfügen über einen unerschöpflichen Wissensvorrat, den sie jederzeit gerne mit jedermann teilen. Und ich nehme dankbar an. Ich will ja lernen. Ich will ja auch mal so klug werden. Und weil ich nunmal ein netter Kerl bin, dürft Ihr jetzt auch an dem Wissen der Welt teilhaben.
WWW – Wirklich Wichtiges Wissen
Zuerst ein paar Weisheiten aus dem Hardwarebereich:
- Der EEE-PC ist mit 300 Euro ca. 150 Euro zu teuer. Sowas gibt’s viel billiger.
- Notebooks mit Displays unter 19 Zoll Diagonale kauft heute niemand mehr.
- Für das Surfen im Internet und für Office-Anwendungen benötigt man 4GB RAM und mindestens 1 TB Festplattenplatz.
- Nagelneue Business-Notebooks kosten generell weniger als 300 Euro und meist bekommt man einen Kleinwagen gratis dazu.
- Die Garantie auf Akkus beträgt 600 Jahre. Auf die restliche Hardware gibt es lebenslange Garantie (das sind im Schnitt ca. 1200 Jahre…)
Nachdem wir über die Hardware jetzt bestens informiert sind, benötigen wir noch passende Software:
- Linux ist eine Windows-Anwendung.
- Für ein 32bit-Betriebssystem muss man zwingend 4GB Arbeitsspeicher haben.
- Microsoft liefert zu seinen Betriebssystemen das Office-Paket kostenlos mit. Dazu kommen Brennprogramme, Virenscanner und vermutlich noch Adobes Photoshop.
- Dieses ganze Softwarebundle kostet bei Ebay aber nur 29 Euroletten.
Prima. Software haben wir. Dann können wir ja jetzt im Internet surfen. Los geht’s!
- Firefox ist der Internet Explorer.
- Safari ist eine afrikanische Webseite über Äpfel.
- Professionell gestaltete Unternehmenswebsites kosten ca. 100 Euro.
- Professionell gestaltete Unternehmenswebsites baut am besten der Neffe des Chefs.
- Profis benutzen zum Erstellen von Websites FrontPage oder Word.
- Printdesigner machen die besten Websites. Google liebt Websites, die nur aus Bildern bestehen.
Wer will da noch widersprechen?
Ich nicht…
Tach. Kundschaft!
Moin zusammen!
Diesen Beitrag will ich mit einer Prophezeiung beginnen: »Tach. Kundschaft!« hat das Potential eine ausgewachsene Serie zu werden. »Tach. Kundschaft!« wird sich nämlich mit den seltsamen Begegnungen beschäftigen, die mir den Tag »versüßt« haben. Und Tage ohne seltsame Begegnungen widerfahren mir dann doch eher selten – und das werdet ihr schon bald selber feststellen…
Der Knopf knackt so komisch…
Morgens. Halb zehn elf in Deutschland einer verschlafenen Stadt im mittleren Ruhrgebiet. Gerade habe ich den ersten Kaffee getrunken, schon steht ein Kunde im Laden. »Ich hab da ein Problem mit meinem Laptop. Die linke Maustaste knackt so komisch und da ist so eine Delle in der Handballenauflage.« Als typischer Westfale antworte ich natürlich mit »Kumma.Hömma.Samma.Zamma.«1. Er reicht mir das Notebook und – tatsächlich! Ich finde keinen Fehler. Egal wie sehr ich mich auch anstrenge, ich bringe die Maustaste nicht dazu, unnatürliche Geräusche von sich zu geben. Wirklich nicht.
Der Kunde mag trotzdem nicht aufgeben und fängt seinerseits an, auf den Tasten rumzudrücken. »Vorführeffekt!«, höre ich ihn sagen. Ich lächle ihn an2.
Jetzt will er mir natürlich zeigen, wo der Frosch die Locken hat und drückt so lange auf der Handballenauflage (!!) herum, bis das Gerät ein knirschendes Geräusch von sich gibt.
»Na, das kann mein Notebook aber auch.« sage ich. »Wenn ich mit nem Hammer drauf haue, dann ist das Geräusch sogar noch lauter.«3.
Ich kürze hier mal ab. Die nächsten 20 Minuten einigten wir uns darauf, dass wir wegen eingebildeter Fehler keine Notebooks zerlegen und schon gar keine funktionierenden Tastaturen gegen andere funktionierende Tastaturen austauschen.
Es ist schon seltsam, auf welche seltsamen Ideen die Menschen kommen, wenn sie zu viel Zeit haben…
Bestechende Logik
Mittwochnachmittag. 17 Uhr. Ich stecke bis zu den Schultern in unserem neuen Linux-Server. Wenn ich jetzt unterbrochen werde, ist die Arbeit des ganzen Tages für den A…. Dann muss ich mich erst wieder reinfrickeln und mich erinnern, wo ich aufgehört habe. Das schaffe ich niemals bis zum Feierabend.
Die Ablenkung kommt aus England. Getarnt als Notebook-Kunde. Wie er mir berichtet, habe er am Wochenende ein Notebook bei uns erworben und jetzt habe er Probleme damit. Probleme? Das kann ja heiter werden.
Bevor er zum eigentlichen Problem kommt, erzählt er lieber erstmal von seinen Hobbies. Trainspotting. Spannend. Gut, dass mein Koffeinlevel auf Anschlag steht.
Nach fünfzehn Minuten ist jegliche Hoffnung auf eine nahezu unbehinderte Rückkehr zum Server dahin. Mein interner Datenpuffer ist randvoll mit unnützen Informationen. Er kann nun endlich mit der Problemstellung herausrücken.
Da sind wir nun. Dies also, verehrtes Publikum, ist der Punkt, an dem wir zur bestechenden Logik kommen.
Wie schon erwähnt hatte der Kunde ein Notebook bei uns gekauft. Fakt. Dieses Notebook »hat ja auch Internet«. Fakt. Wenn dieses Notebook jetzt also nicht out-of-the-box in der Lage ist die Radiostreams der BBC abzuspielen, muss das unsere Schuld sein.
So werde ich wirklich niemals fert




