Wie man als Geschäftskunde ein iPhone bestellt
… und warum man sich das eigentlich gleich sparen kann.
Seit der Markteinführung des iPhone 3G, soll das iPhone ja nicht nur den handelsüblichen Endverbraucher glücklich machen – nein, es soll ja mittlerweile auch ein recht ordentliches Businesshandy abgeben. Das behauptet jedenfalls die Werbung und tatsächlich sprechen viele Funktionen des iPhone dafür, es auch geschäftlich einzusetzen.
Auch mein Chef dachte sich, so ein iPhone stünde mir gut zu Gesicht und so hat er sich dann überlegt, die Firma könnte ja mal so ein Gerät ordern und mir dann zur geschäftlichen Nutzung überlassen.
So einfach das klingt, so kompliziert ist das Ganze dann in der Realität…
Mal schnell online bestellen
Wie bestellt man aber jetzt so ein Telefon? Easy? Wohl kaum. Zu bekommen sind die Geräte hierzulande schließlich nur vom Rosa Riesen – und der Verein hat offensichtlich schon mehr als genug Kunden, sodaß dem Kaufwilligen bei der Bestellung zunächst einige Steine in den Weg gerollt werden müssen.
Fangen wir bei der Onlinebestellung an. Die ist für Geschäftskunden schlicht nicht vorgesehen. Auf der Bestellseite für Endverbraucher gibt es kein Eingabefeld für die Firma, auf der Seite für Geschäftskunden gibt es nichtmal irgendein Eingabefeld. Stattdessen findet man dort die Rufnummer der Geschäftskundenhotline.
Mal schnell telefonisch bestellen
Okay. Online bestellen fällt aus. Chef schnappt sich ein Telefon und ruft bei der Hotline für Geschäftskunden an.
Chef: »Mahlzeit. Die Firma XYZ. Wir möchten gerne ein iPhone bestellen.«
Hotliner: »Ihre Kundennummer und Ihre Telefonnummer, bitte.«
Chef: »Haben wir noch nicht. Wir wollen Kunde werden.«
Hotliner: »Ach so. Wie viele iPhones wollen Sie denn?«
Chef: »Nur eines.«
Hotliner: »Dann rufen Sie bei der Hotline für Endkunden an.«
Chef: »Wir sind aber eine GmbH. Also faktisch Geschäftskunde.«
Hotliner: »Rufen Sie trotzdem die Enkundenhotline an. Schönen Tag noch.«
Aufgelegt…
Langsam konnte man Chef den Ärger schon ansehen, aber er hielt sich erstaunlich tapfer, wie ich fand, denn er rief direkt bei der Endkundenhotline an und versuchte da sein Glück.
Chef: »Mahlzeit. Die Firma XYZ. Wir möchten gerne ein iPhone bestellen.«
Hotliner: »Ihre Kundennummer und Ihre Telefonnummer, bitte.«
Chef: »Haben wir noch nicht. Wir wollen Kunde werden.«
Hotliner: »Ach so. Dann Ihren Namen und die Anschrift bitte.«
Chef: »Das ist die Firma XYZ GmbH…«
Hotliner: »Für Unternehmen gibt’s eine andere Hotline…«
Chef: »…«
An dieser Stelle spare ich mir die folgende habstündige Diskussion und den weiteren Anruf bei der Geschäftskundenhotline. Das Ergebnis war selbstverständlich eindeutig. Beim Rosa Riesen ist niemand dafür zuständig, einem Unternehmen ein einzelnes iPhone mit Vertrag zu verkaufen. Schließlich sollten Business-Telefone mindestens 100-Stück-weise geordert werden, damit auch das komplette Unternehmen damit ausgestattet werden kann. Bei kleineren Unternehmen kann man auch persönlich kommunizieren. Was braucht man da ein iPhone?
Letzte Rettung: die örtliche Niederlassung
Nach diesen Erlebnissen am Telefon kamen wir zu der Überzeugung, wir könnten dem Wunsch nach einem iPhone eventuell durch persönliche Präsenz mehr Nachdruck verleihen, als es uns am doch eher unpersönlichen Medium Telefon möglich wäre. Also machten wir uns auf zum T-Punkt1.
Im Laden angekommen ergriffen sofort drei von vier Angestellten die Flucht und verschwanden durch eine Tür im hinteren Teil des Raumes. Die letzte verbliebene Angestellte war mit den 25 Kunden, die bereits auf Beratung warteten beschäftigt und uns blieb auch nichts weiter, als zu warten. Nach 15 Minuten verließ ich dann das Geschäft, weil uns klar wurde, dass wir den eigenen Laden für zwei Wochen schließen müssten, sollten wir beide warten, bis wir an der Reihe wären.
Eine Stunde später traf Chef auch wieder im Laden ein – ohne ein iPhone bestellt zu haben. Er versprach mir allerdings, den folgenden Samstag im T-Punkt zubringen zu wollen und machte sich dann auch gleich auf, um sich für das Wochenende mit den nötigen Lebensmitteln einzudecken…
Bestellung getätigt
Der folgende Montag begann mit einem Gefühl des Triumphs: Chef hatte es am Wochenende geschafft, ein iPhone zu ordern und alle nötigen Unterlagen, wie Handelsregisterauszug, Personalausweis, Geburtsurkunde, Führerschein, Fahrzeugschein, Ergebnisse einer Blutuntersuchung und eines Gentests vorzulegen und Frau K., eine freundliche, junge Mitarbeiterin des rosa Konzerns, hatte ihm versichert, das iPhone solle binnen drei Tagen bei uns eintreffen. Mitgeben konnte sie ihm das Gerät leider nicht, obwohl es am Lager war. Aber für Geschäftskunden wären die Leute im T-Punkt nicht zuständig und alles müsse über die Geschäftskundenbetreuung abgewickelt werden.
Kein Anschluß…
Wir warteten also geduldig2 und als am Freitagnachmittag vom iPhone noch nichts zu sehen war, versuchte ich dann doch telefonisch, die nette Frau K. aus dem Laden zu erreichen. Das das so nicht funktionierte, brauche ich wohl nicht extra erwähnen, oder? Ne. Is klar. Ich hinterließ also einen Rückrufwunsch und teilte mit, ich sei bis 18 Uhr zu erreichen.
Verlorenes Papier in einer digitalen Welt
Ich erfuhr am Freitagabend noch3, dass im Geschäftskundencenter leider kein Fax mit unseren Unterlagen angekommen sei und dass Frau K. unsere Unterlagen sofort nocheinmal Faxen wolle. Zwei Tage solle es nun dauern, bis unser Telefon bei uns sei. Klar…
Am Dienstagnachmittag versuchte ich dann erneut, Frau K. telefonisch zu erreichen – Fehlanzeige. Wie immer. Auf einen Rückruf musste ich auch verzichten. Am folgenden Mittwoch rief ich erneut an, wurde aber wieder an der Hotline abgewimmelt und auch ein Rückruf blieb aus. Was blieb mir also übrig, als nach Feierabend persönlich bei Frau K. vorstellig zu werden und ihr meinen Frust über die Theke zu erbrechen? Richtig. Nix.
Wie sich im persönlichen Gespräch herausstellte, hatte Frau K. sich nicht getraut, uns zurückzurufen (!!!), da mittlerweile nicht nur das zweite Fax an den Geschäftskundenservice4 verschwunden war, sondern auch die Originalunterlagen, die sie zur Sicherheit auf dem Postweg ans Geschäftskundencenter geschickt hatte. Zusätzlich war auch der Auftrag aus dem Computer ins digitale Nirwana verschwunden. Unser Auftrag existierte also faktisch nicht mehr, weshalb Frau K. mir auch beteuerte, ich müsse den Auftrag nicht stornieren.
As time goes by…
An den folgenden beiden Tagen passierte nichts – und daran hatten wir uns ja mittlerweile gewöhnt. Was allerdings dann am Montag passierte, brachte mich so richtig zum kochen: Der Briefträger stellte uns zwei Schreiben von T-Mobile zu. Das Erste enthielt eine Nachricht, die uns beim Rosa Riesen willkommen hieß; das Zweite enthielt eine Auftragsbestätigung zu unserem verschwundenen Auftrag.
Mit Schaum vor dem Mund wählte ich die auf dem zweiten Schreiben abgedruckte Nummer – und bekam zunächst einmal 15 Minuten Zeit, mich in der Warteschleife wieder etwas abzuregen. Das war auch eigentlich ganz gut so, da ich vorher zu keinen Äußerungen fähig war, die auch nur annähernd etwas mit menschlicher Sprache zu tun hatten.
Der Hotliner, zu dem ich dann durchgestellt wurde, war ein lustiges und sehr munteres Kerlchen. In einer Seelenruhe erklärte er mir zuerst, dass wir ja selbst Schuld seien, wenn wir einen Geschäftskundenauftrag in einem T-Punkt platzieren. Die hätten da ja sowieso von nichts auch nur den Hauch einer Ahnung…
Ich legte ihm also erstmal die komplette Geschichte dar und – er lachte. Er lachte laut und lange und meinte, das wäre alles sehr witzig. Allerdings erklärte er mir dann auch, wie ich vorgehen solle, um den nicht vorhandenen Auftrag zu stornieren. Auch teilte er mir nach Rücksprache mit der Versandabteilung mit, der Versand des Geräts wäre noch nicht erfolgt und er werde die weitere Bearbeitung des Auftrages stoppen.
Besuch aus einer anderen Welt
Nachdem ich das Fax für die schriftliche Stornierung des nicht vorhandenen Auftrags verfasst und versandt hatte, kam es offensichtlich zu einer lokalen Störung des Raum-Zeit-Kontinuums: Ein Paketbote lieferte das iPhone, dass aufgrund eines nicht vorhandenen Auftrags noch nicht versandt wurde…
An dieser Stelle empfehle ich, den letzten Satz erstmal ein wenig sacken zu lassen.
Holt Euch doch mal nen Kaffee. Oder nen Tee.
Okay. Kann weitergehen. Ich verweigerte also die Annahme der Sendung und ging davon aus, damit und mit dem Storno per Fax wäre jetzt alles erledigt. Ich naiver, unerfahrener Bengel…
Neverending Story
Wie, liebe Freunde, könnte diese Story wohl enden? Richtig. Klar. Damit, dass wir für das ganze Theater auch noch eine Rechnung bekommen. Und zwar für eine Leistung, die nie erbracht wurde, aus einem Auftrag, der mehrfach verloren wurde und für ein iPhone, dass das Raum-Zeit-Gefüge erschüttert.
Einige Wutausbrüche und Schreianfälle gleichgültigen Hotlinern gegenüber, hat sich mittlerweile alles geklärt. Für die Rechnung haben wir die entsprechende Gutschrift erhalten. Die Stornierung des Auftrags wurde bestätigt und ich besitze mittlerweile ein iPhone.
Mein iPhone ist ein reinrassiger Italiener und schert sich von Hause aus weder um Sim- noch Netlock – so wie es eigentlich sein sollte. Wir sind mittlerweile schon gute Freunde geworden – und mit seinem Kollegen aus Tschechien, der den Chef mittlerweile ständig begleitet, versteht es sich auch ausgezeichnet. Alles ist gut – aber das letzte Wort hatte dann doch der Rosa Riese, der uns in einem letzten Schreiben versicherte, er hoffe, wir wären auch weiterhin mit seinem Service zufrieden. Ja, nee. Is klar…
Was zur Hölle ist A-Ware?
Darüber kann man sich offensichtlich vortrefflich streiten. Ich persönlich glaube, A-Ware sind Güter ohne optische und technische Mängel. Also quasi Nicht-B-Ware. Einer unserer Lieferanten sieht das wohl anders.
Quotending
Bei der heutigen Notebook-Lieferung hatte ich 60% der Geräte zu bemängeln. Pixelfehler, Gehäusebrüche und farbstichige Displays gehören meiner Meinung nach eben nicht zu den Merkmalen eines A-Ware-Notebooks.
Während ich jetzt also der Meinung bin, man solle das bekommen, was man bestellt, ist der Herr Lieferant der Meinung, 40% Top-Geräte wären doch schon eine gute Quote und wir wären viel zu pingelig.
Meinung: revidiert.
Mit meiner oben zum Ausdruck gebrachten Meinung scheine ich ziemlich allein zu sein. Also: überdenken. Und damit wir alle was lernen, fasse ich dann hier mal die aktuellen Definitionen zusammen, denn A-Ware ist nicht gleich A-Ware. Da gibt es also noch Abstufungen:
- A-Ware. Punkt.
- A-Ware, Typ »Drück-ein-Auge-zu«, formerly known as B-Ware
- A-Ware, Typ Hardcore, formerly known as C-Ware
- B-Ware, formerly known as »Zu-verschenken-an-Bastler«
- C-Ware oder »Kernschrott, mit dem kein Mensch mehr irgendwas anfangen kann«
Es ist halt wie immer. Wenn man nichts erwartet, wird man sicher nicht enttäuscht…
Die Rache der missionierten Pinguinjünger
Ich gebe es offen zu: Ich bin Ubuntuholic. Ich find’s super und finde, auch unsere Kunden sollten etwas davon haben.
Deswegen bieten wir die meisten unserer Notebooks hier im Laden mit Ubuntu an. Windows XP gibt’s zumeist nur als kostenpflichtiges »Downgrade« und Windows Vista nur dann, wenn uns ein Kunde ‘ne Kanone an den Schädel hält.
Alles kommt zurück im Leben
Generell gibt’s bei uns IBM / Lenovo ThinkPads mit Ubuntu 7.10. Da funktionieren bei den meisten Geräten die Desktop-Effekte und die integrierten WLAN-Adapter laufen Out-of-the-Box. Super Sache.
Dummerweise benehmen sich einige Kunde ausnahmsweise wirklich vorbildlich und spielen regelmäßig Updates ein. Auch das Update auf die neue 8.04. Und damit fängt der Ärger an.
Regelmäßig habe ich hier jetzt Leute im Laden, bei denen der WLAN-Adapter mit Broadcom-Chipsatz nicht mehr läuft und die heulen, weil die Fenster nicht mehr wabbeln.
Rache!
Und diese Leute nehmen jetzt grausame Rache an mir. Sie überfallen mich in Rudeln und zwingen mich, ihnen ihre Softwareprobleme zu lösen. Selber googeln ist halt für Amateure. Richtige Profis gehen direkt zum Fachmann ihres Vertrauens. Der hat ja sonst nix vor. Der macht das schon. Und zwar für Lau.
Sonst noch was? Freunde, lernt lesen. Da hat man’s im Leben generell leichter. Fangt doch einfach mal mit dem Ubuntu OpenBook an. Und danach vielleicht einfach mal die Suchmaschinen bemühen. So zum Beispiel, oder so.
Super. Ich mach dann mal wei




